K&E/Sterbehilfe

Aus Schäfer-SAC
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Schmerzfreiheit

Ärzte sprechen bzw. schreiben von Schmerzfreiheit und meinen dabei meist Schmerzfreiheit bei vollem Bewusstsein. Dies ist leider nicht immer erreichbar.[Anm. 1] - Dadurch kann bei Zuhörern bzw. Lesern die irrige Annahme entstehen, dass man doch nicht alle Schmerzen nehmen kann und sie möglicherweise qualvoll sterben könnten.

Ich spreche von der Schmerzfreiheit, auch mit eingeschränktem Bewusstsein. Diese ist immer möglich.

Prof. Mezger nannte am 6.2.2014 zum Thema "Recht auf Leben - Recht auf Sterben" das Beispiel einer Frau, die noch etwa 6 Monate zu leben habe, der jedoch bei vollem Bewusstsein nicht alle Schmerzen genommen werden kann. Man könne sie doch nicht 6 Monate lang in die Bewusstlosigkeit sedieren.
Ich meine hierzu: Warum nicht? Wenn dies der einzige Weg ist, um sie schmerzfrei zu halten und sie dies wünscht, dann sollte dies doch möglich sein. Da brauchen wir doch keine Beihilfe zum Suizid. - Vielleicht kann man sie jeden Sonntag mal aufwachen lassen, um zu sehen, ob sie "weiterschlafen" will. Die Übergänge sind fließend, die Möglichkeiten vielfältig.

15-jährige Erfahrung

Patienten, denen mitgeteilt wurde, dass sie Krebs haben, dass sie Metastasen haben, dass sie austherapiert sind, erbaten von mir Hilfestellung, zum Zweck des assistierten Suizids in die Schweiz Kontakte herzustellen. Ihnen sagte ich immer: "Schmerzen und Atemnot kann man mit Morphium nehmen. Es hat jedoch auch seinen Preis: In der Endphase Ihres Lebens kann es sein, dass man Ihnen so viel Morphium geben muss, dass Sie müde sind, dass Sie viel schlafen, dass Sie vielleicht nur noch schlafen. Ich verspreche Ihnen, dass Sie hier in dieser Klinik keine Schmerzen haben werden, die Sie nicht bereit sind, auszuhalten. Sie selbst legen die Messlatte fest, wie viel Schmerzen Sie aushalten wollen. - Und was die Endphase betrifft: Auch wenn Sie nicht mehr in der Lage sein sollten, sich mitzuteilen, so gibt es zwei einfache Indikatoren, anhand jeder med. Laie erkennen kann, ob Sie Schmerzen haben: Solange Sie ruhig und gleichmäßig atmen und solange Sie ruhig und entspannt daliegen, ist die Welt für Sie in Ordnung, leiden Sie nicht."
Dies konnte ich glaubhaft vermitteln. Ich stand dafür mit meiner Person ein. Die Folge war, dass keiner dieser Patienten weiterhin in die Schweiz wollten. Sie alle wollten ihr Leben bis zuletzt leben, weil sie wussten, sie brauchen sich nicht vor Schmerzen und Atemnot fürchten. Teilweise gingen sie noch für Monate und Jahre nach Hause und führten ein meist unbeschwertes Leben, bis sie zu Chemotherapie oder palliativer Behandlung wieder in die Klinik kamen. Sie alle starben ohne Qualen, so wie ich es ihnen zugesagt hatte.

In der gesellschaftlichen wie auch politischen Diskussion sollte daher darauf geachtet werden, von welcher Schmerzfreiheit denn gesprochen wird: Von der Schmerzfreiheit bei vollem Bewusstsein, die nicht immer gegeben ist, oder von der absoluten Schmerzfreiheit, auch wenn mit eingeschränktem Bewusstsein, die immer möglich ist.
Im Selbstbestimmungsrecht jedes Menschen kann er selbst festlegen, wie viel Schmerzen er aushalten will. Es kann durchaus sein, dass der Wunsch nach Schmerzfreiheit größer ist als der Wunsch nach Bewusstsein. Das hat jedoch nichts mit Suizid zu tun, sondern etwas mit Würde.

Christliche Patientenvorsorge

In der Christlichen Patientenvorsorge (Dezember 2010) heißt es auf Seite 8, Kapitel 1.3:

Zulässig ist dagegen die Gabe von Schmerzmitteln oder anderen Medikamenten, wenn sie zur Leidensminderung medizinisch angezeigt sind und der Patient bzw. sein Bevollmächtigter oder Betreuer ihrer Verabreichung zustimmt. Das gilt auch in den Fällen, in denen diese Medikamente als unbeabsichtigte Nebenwirkung das Leben des Patienten verkürzen können (»indirekte Sterbe hilfe«).

Auf Seite 13 heißt es:

Zuwendung, Körperpflege, Lindern von Schmerzen, Atemnot und Übelkeit sowie das Stillen (der Gefühle) von Hunger und Durst gehören, ist jedoch aufrecht zu erhalten.

Fazit: Wir brauchen keine Sterbehilfe, erst keine organisierten Sterbehilfe. Wir brauchen im 1. Schritt eine korrekte Aufklärung der Politiker zu diesem Gesetzesentscheidung. Wir brauchen im 2. Schritt eine korrekte Aufklärung der Bevölkerung, z.B. durch die BZgA. Damit könnte fast jede Forderung nach Sterbehilfe aufgelöst werden. In 15 Jahren Klinikseelsorger in einer Klinik mit jährlich über 400 Toten - rund 50% davon Krebstote - habe ich keinen einzigen Patienten erlebt, der nach einem Gespräch mit mir noch weiter in die Schweiz oder Holland wollte. Sie vertrauten mir und starben schmerzfrei.


Texte aus: "Sterben - aber wie?"

In dem 2011 erschienen Taschenbuch heißt es auf Seite 23:

Alle Schmerzen können genommen werden, auch die größten. Es stellt sich dabei nur die Frage, welchen Preis man dann bezahlt: Mit immer mehr und immer stärkeren Schmerzmitteln wird der Sterbende auch immer müder. Dies kann dazu führen, dass der Sterbende viel oder nur noch schläft.

Es sollte in der Entscheidung des Sterbenden liegen, wie viel Schmerzmittel er bekommt. Es sollte in seinem Ermessen liegen, wie viel Schmerzen er aushalten will, um noch möglichst viele Stunden wach zu sein, oder ob er lieber mehr schlafen möchte, um keine Schmerzen zu erleiden.

Auf Seite 98 heißt es:

Viele Totgeweihte sagen, dass sie keine Angst vor dem Sterben haben, sehr wohl aber vor dem Wie. Sie wollen nicht qualvoll sterben, sondern friedlich einschlafen. Wenn sie wissen, dass ihnen körperliche Schmerzen und Atemnot durch entsprechende Medikamente genommen werden, sind sie beruhigt. Sie können damit entspannt ihrem Sterben entgegensehen.

Auf Seite 114 steht die Antwort auf die Frage: "Kann man erkennen, dass Sterbende Schmerzen haben?"

Vielen Angehörigen ist es sehr wichtig zu wissen, dass der Sterbende keine Schmerzen hat, bietet doch die heutige Schmerztherapie ein Sterben ohne Schmerzen an. Die Frage ist jedoch, ob diese Möglichkeiten auch ausgeschöpft werden.

Angehörige können auch selbst erkennen, ob der Sterbende schmerzfrei ist: Liegt der Sterbende locker und entspannt da, atmet er ruhig und gleichmäßig, so hat er keine Schmerzen.
Wer Schmerzen hat, krampft. Es sind jedoch nicht nur Schmerzen, die Krämpfe auslösen. Es gibt auch Erkrankungen, die Krämpfe nach sich ziehen. Hier gilt es zu unterscheiden, ob die Verkrampfungen von möglichen Schmerzen kommen oder von einer Erkrankung. Diese Unterscheidung kann jedoch nur Fachpersonal vornehmen.
Für Laien bleibt die sichere Aussage: Wer ruhig und entspannt daliegt, hat keine Schmerzen.
Angehörige und Begleiter müssen sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Verabreichung von Schmerzmitteln auch ihren Preis hat: Der Sterbende wird dadurch müde. Muss Morphin in hohen Dosen verabreicht werden, damit der Sterbende schmerzfrei ist, so schläft der Sterbende nur noch und ist nicht mehr oder nur zwischendurch immer wieder einmal nur für wenige Sekunden ansprechbar. Für das Ziel der Schmerzfreiheit des Sterbenden sollte dies hingenommen werden.

Atemnot

Vor allem Patienten mit Lungenerkrankungen haben oft Angst vor Atemnot. Viele von ihnen haben sie zeitweise erlebt und mussten zur Besserung ihres Zustandes (kurative Behandlung) oder Linderung ihrer Atemnot (palliative Behandlung) in die Klinik. Für sie war Atemnot keine Fiktion, sondern bereits erlebte Realität.

Diesen Patienten konnte ich aus meiner jahrelanger Berufserfahrung als Klinikseelsorger berichten:
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