Tote und Verwundete

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Suizide bei Veteranen

Jeden Tag nehmen sich 20 US-Kriegsveteranen das Leben[1]


Auch im amerikanischen Militär sind seit 2001 mehr aktive Soldaten durch eigene Hand gestorben als durch Frontkämpfe im Irak und in Afghanistan zusammen: fast jeden Tag einer.[1]


Die Suizidrate von Kriegsveteranen bewegt sich jedoch in gänzlich anderen Dimensionen: Anfang 2013 schätzte das Veteranenministerium die Opferzahl anhand von Sterbeurkunden aus 21 amerikanischen Gliedstaaten auf 22 pro Tag.[1]


Im Juli des letzten Jahres doppelte die Veteranenbehörde dann mit ihrer ersten flächendeckenden Erhebung nach. Gestützt auf eine Studie, die über 55 Millionen Veteranen-Akten aus den Jahren 1979 bis 2014 untersucht hatte, kam das Amt auf 20 Suizide pro Tag.[1]


Seit 2001, vor allem aber seit der Irak-Invasion vom 20. März 2003, haben Suizide von ehemaligen Armeeangehörigen um 32 Prozent zugenommen. Besonders besorgniserregend: Unter den 18- bis 29-jährigen Männern hat sich die Zahl der Opfer mehr als verdoppelt. Bei Frauen - viele erlitten sexuelle Gewalt - ist sie sogar um 89 Prozent in die Höhe geschnellt.[1]


Der 19-jährige John Lutz aus Davie in Zentralflorida überstand seinen ersten Einsatz im Irak noch weitgehend unbeschadet, erzählt seine Mutter Janine. «Er erlebte dort einige Grausamkeiten mit. Aber als er 2007 nach Hause kam, hatte er noch immer dieses gleiche, wunderbare Lächeln. Er war derselbe Mensch.» Doch als er drei Jahre später aus Afghanistan heimkehrte, erkannte sie ihren Sohn nicht wieder. «Seine Augen waren leer, er zeigte keinerlei Emotionen. Ich wusste zwar, dass er gerade aus der Hölle gekommen war. Aber ich hatte keine Ahnung, dass er zu Hause noch immer in dieser Hölle steckte.»[1]


Doch selbst jene, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatten und in den USA als Helden empfangen wurden, werden die Dämonen der Vergangenheit nicht los. «Ich habe zwar vergessen, was ich gestern zu Mittag gegessen habe», erzählt der 94-jährige Norman Bussel aus Mohegan Lake im Gliedstaat New York, «aber die Ereignisse vor siebzig Jahren sind unauslöschlich in mein Gedächtnis eingebrannt.» Bussel war knapp zwanzig Jahre alt, als die deutsche Flugabwehr seinen B-17-Bomber am 29. April 1944 über Berlin abschoss. Vier seiner Kameraden überlebten den Treffer nicht.

Als der 21-Jährige zurück in den USA war, wurden zwar seine zahlreichen Brand- und Schrapnell-Wunden verarztet. Aber für das, was heute unter dem Begriff «battle fatigue» bekannt ist, gab es damals weder einen Namen noch eine Therapie. Und so verliess auch Bussel der Lebensmut. «Aber nur einmal», räumt der 94-Jährige ein und erzählt: Es war am 25. Jahrestag seines B-17-Absturzes. Der gebürtige Südstaatler lebte damals in Manhattan und trank von morgens bis abends. An jenem Tag wollte er sich von der Queensboro Bridge an der 59. Strasse stürzen. Seine damalige Frau zerrte ihn herunter. «Ich denke noch heute jeden Tag an meine vier Crewmitglieder. Die Schuld, überlebt zu haben, ist mein grösster Stressfaktor.»[1]


Tag für Tag melden sich acht bis zehn neue Hilfesuchende bei der Organisation für Hinterbliebene von Armeeangehörigen und Veteranen.[1]


Nach dem Vietnamkrieg begingen mehr US-Veteranen Selbstmord als im Krieg starben. Alarmierende Zahlen auch bei Soldaten, die im Irak und in Afghanistan dienten.[2]


Die Zahl der Vietnam-Veteranen, die ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt hätten, sei mit mehr als 58.000 inzwischen höher als die Zahl der US-amerikanischen Kriegstoten.[2]




Anhang

Anmerkungen


Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Rita Schwarzer: Jeden Tag nehmen sich 20 US-Kriegsveteranen das Leben. In: Neue Züricher Zeitung (11.11.2017). Nach: https://www.nzz.ch/gesellschaft/die-gebrochenen-helden-ld.1326621 Zugriff am 04.01.2020.
  2. 2,0 2,1 Die Presse: Vietnam-Veteranen: Mehr Suizide als Kriegstote (24.10.2007) Nach: https://www.diepresse.com/338984/vietnam-veteranen-mehr-suizide-als-kriegstote Zugriff am 04.01.2020.